6 Jahre „Offene Netze und Recht“ – Ein Statusbericht

6 Jahre ist es jetzt schon her, dass dieses Blog gestartet ist. Ein guter Zeitpunkt, um etwas zurückzublicken und einen Zwischenstand festzuhalten.

1. Aller Anfang …

Am 16.4.2008 ist hier im Blog der erste Blogeintrag erschienen, Titel: „Rechtsfragen offener Netze veröffentlicht“. Vor als nunmehr 6 Jahren (+1 Tag) habe ich dieses Blog in Betrieb genommen, auch, um eine zusätzliche Plattform für meine Dissertation zu Offenen bzw. Freien Netzen zu schaffen. Mein Doktorvater Prof. Dr. Dreier hatte mir damals glücklicherweise angeboten, die Dissertation in seine Schriftenreihe (Schriften des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaft / ZAR, Zentrum für Angewandte Rechtswissenschaft, Karlsruher Institut für Technologie) im Karlsruher Universitätsverlag aufzunehmen. Neben einer (nach meiner Wahrnehmung) renommierten, wenn auch noch jungen Schriftenreihe war für mich ausschlaggebend, dass die Doktorarbeit nicht nur in Print (als Print-on-demand) erscheinen würde – sondern gleichzeitig als vollwertiges PDF unter einer Creative Commons-Lizenz (CC-BY-NC-ND 2.0-DE).

Bevor der erste Eintrag erschien, musste das Blog natürlich aufgesetzt werden, was am 10.4.2008 geschah. Im Monat April sind dann insgesamt immerhin acht Einträge erfolgt. Das war wohl der Elan des Anfangs …

Mit Erschrecken musste ich bei der Erstellung dieses Artikels feststellen, dass zusätzlich vier Beiträge im Entwurf im April 2008 entstanden, aber nie online gegangen sind. Aber das ist vermutlich nicht untypisch für Blogger: Interessante Ideen werden kurzfristig aufgegriffen, dann aber – weil es kurzfristig zu aufwändig wird, oder andere Themen sich in den Vordergrund drängen bzw. das Thema überholt ist etc. doch nicht zu Ende geführt. Derzeit fristen rund 30 solcher Entwürfe ihr Schattendasein im Draft-Ordner … Viele werden vermutlich nie erscheinen, was teilweise sicher auch ganz in Ordnung ist.

2. Erste Reaktionen

Die Reaktionen auf meine Doktorarbeit und das Blog haben mich ehrlich gesagt überrascht. Ich war zwar vorher regelmäßiger Blog-Leser, aber insgesamt war mir die deutsche Blog-Szene bis zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unbekannt.

Nicht einmal 1,5 Stunden nach meinem Post erschien auf golem.de eine Meldung mit dem Titel „Kostenloses Buch zu Rechtsfragen offener Netze“. Auch einige andere Blogs haben darüber berichtet. Zu einem Teil war dies sicher dem Umstand geschuldet, dass die Veröffentlichung von juristischen Werken unter einer freien Lizenz damals nicht gerade Standard war. Das ist zwar heute auch noch nicht der Fall, es ist aber sicher um einiges üblicher geworden – wie generell die Verwendung von offenen Lizenzen stark zugenommen hat.

Am 17.4.2008, also nur einen Tag, nachdem ich die Veröffentlichung meiner Doktorarbeit gepostet hatte, kontaktierte mich auch schon Mario von freifunk, und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, Anfang Mai auf dem Wireless Community Weekend 2008 in Berlin einen Vortrag über meine Doktorarbeit zu halten. Hatte ich (Folien hier) … 🙂

Am 23.4.2008 wiederum erhielt ich eine Anfrage der Radiosendung TrackBack, ob ich für ein Interview bereit stünde (Download des Interviews hier).

Insgesamt also ein stürmischer Anfang, wie ich ihn mir nicht besser hätte vorstellen können. Zur Anzahl der Besucher/Visits im Blog in dieser Zeit habe ich leider keine Erkenntnisse. Erst im Jahr 2009 habe ich mit Piwik eine Statistik-Software aufgesetzt …

3. Zielsetzung: Themen

Das Ziel des Blogs habe ich direkt im ersten Eintrag definiert:

Auf dieser Seite werde ich in Zukunft über Aktuelles rund um die relevanten Themen offener Netze berichten: Rechtsprechung, Artikel, Meldungen etc.

Ich hatte mich zuvor einige Tage damit beschäftigt, „wie man ein Blog betreibt“. In Erinnerung geblieben ist mir von damals, dass ein Tipp war, bei einem Thema oder einem Themenkomplex zu bleiben. Der Name meines Blogs gab das Thema ziemlich stark vor: Alles rund um offene Netze (und Recht), wozu auch Bereiche gehörten, denen man wechselseitigen Einfluss zuschreiben könnte, z.B. interessante Entwicklungen rund um Grundrechte, die mit der Nutzung von Online-Medien zusammenhängen – z.B. das Recht auf Anonymität (dazu z.B. in meiner Doktorarbeit, S. 67 – 85), ebenso Datenschutz, ferner alles was mit „offen“ zusammenhing, also Open Source, Open Content, Open Access, Science Commons etc.

Bei diesem Themenkanon ist es allerdings nicht geblieben. Ebenso wie ich mich selbst auch für andere Dinge interessiert habe, wurden auch meine Posts thematisch „breiter“. Heute würde ich sagen, dass alles rund um Offene Netze, Funknetze, Datenschutz, Telekommunikation, Urheberrecht etc. „fair game“ für Artikel in diesem Blog ist. Damit mag sich teilweise der Name meines Blogs beißen, denn wenn ich mich mit Datenschutz bei Versicherungen befasse, handelt es sich zwar um „Recht“, aber nicht mehr um „offene Netze“. Einen anderen Namen möchte ich nach sechs Jahren allerdings auch nicht wählen.

4. Inhalte

Nicht nur thematisch, auch konzeptionell haben sich die Inhalte im Blog – naturgemäß – anhand meiner Berührungspunkte mit WLANs, freien Netzen und Recht entwickelt.

a. Das Buch

Gedacht war die Webseite auch, um eine Plattform für meine Dissertation „Rechtsfragen offener Netze“ zu bieten. Noch immer kann das Buch hier heruntergeladen und bestellt werden.

b. Lesetipps, Aktuelles

Das Blog diente aber auch und insbesondere auch dazu, auf spannende Artikel und Entwicklungen hinzuweisen, z.B. (kunterbunt ein paar herausgegriffen):

c. Entscheidungen

Auch Kurzbesprechungen und Volltexte von gerichtlichen Entscheidungen habe ich immer wieder aufgenommen, z.B.

d. Vorträge, Veröffentlichungen etc.

Regelmäßig unregelmäßig habe ich Vorträge beim Wireless Community Weekend in Berlin gehalten, um über Aktuelles rund um Offene Netze und Recht zu berichten, also alles, was für die Community von Interesse sein könnte (Übersicht der Vorträge hier). Solche Vorträge, wie auch mein Vortrag beim #29C3 in Berlin 2012, speisten und speisen sich (auch) aus den Inhalten des Blogs, und fanden und finden ihren Weg zurück hierher.

Quasi zur Werbung in eigener Sache habe ich das Blog genutzt, um auf Artikel von mir, Interviews etc. hinzuweisen. Auch mein Publikationsverzeichnis habe ich als Seite im Blog online gestellt.

5. Vernetzung & die Rolle von Twitter

Schon relativ früh habe ich Offene Netze und Recht über jurablogs.com verlinkt, eine Art Sammeldienst für juristische Blogs. Auch heute noch kommen ein paar Klicks über diesen Weg auf das Blog, auch wenn es nach meinem Empfinden weniger geworden ist.

Erst viel später, nämlich im Mai 2010, habe ich den Twitter-Account @offenenetze eingerichtet, über den ich nicht nur meine Blogeinträge gepostet habe.

Gerade in der Rückschau ist mir aufgefallen, dass ein Teil dessen, was ursprünglich als Aufgabe des Blogs gedacht war, durch Twitter ersetzt worden ist. Während ich anfangs noch häufig kurze Beiträge und Lesetipps zu Artikeln im Netz oder in Zeitschriften geschrieben habe, poste ich solcherlei Hinweise heute hauptsächlich über Twitter. Das hat den Vorteil, dass es schnell geht und einfach ist. Nachteilig ist, dass die Hinweise in der Twitter-Timeline „verschwinden“ und auch für mich später kaum noch herauszusuchen sind. Andererseits führt der Twitter-Account natürlich auch zu Klicks auf das Blog, und über Twitter kann ich eher auf Artikel hinweisen, die thematisch ins Blog nicht passen würden.

 6. Aus dem Maschinenraum – die Technik

Das Blog Offene Netze und Recht ist zunächst als Unterseite meiner „ursprünglichen“ Homepage gestartet. Ich wollte das Blog selbst hosten, hatte aber erst einmal nur die eine Domain. Damals lag die Webseite bei Speicherhosting, ein guter Anbieter für Webhosting mit gutem und kompetenten Service. Zwischenzeitig habe ich sogar am Traffic-Limit meines Tarifs gekratzt und musste auf ein größeres Paket umsteigen …

Später habe ich zusätzlich die Domain offenenetze.de reserviert. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Blog allerdings schon einige regelmäßige Leser. Daher habe ich den Umstieg auf die neue Domain lange gescheut und habe es als Einrichtung im Unterverzeichnis belassen. Stattdessen war die Domain offenenetze.de als eine direkte Weiterleitung auf das Unterverzeichnis eingerichtet.

Von Anfang an lief das Blog mit WordPress. Zunächst auch ohne großen Schnickschnack. Ich habe lediglich mit kleinen WordPress-Plugins die für meine Homepage gebastelten Tools (Zähler, Download-Skript, Publikationsverzeichnis etc.) dann auch im Blog genutzt bzw. hierfür überarbeitet. Mit der Zeit sind allerdings einige WordPress-Plugins hinzu gekommen. Immer mehr nette Tools. Auch dies dürfte eine eher typische Entwicklung von Blogs darstellen, oder …?

Kommentare habe ich seit jeher auf „manuelle Moderation“ eingestellt, die Spam-Welle, die auch so über das Blog hereinbricht, wollte ich nicht auf der Seite stehen haben. Das und die doch eher geringe Anzahl von Lesern dürfte zu den doch sehr spärlichen Kommentaren in meinen Einträgen geführt haben. Mehr sind natürlich immer willkommen.

Ende 2013 bin ich dann mit dem gesamten Blog und meiner Homepage zu uberspace umgezogen. Für einen eigenen vServer war und ist das Blog schlicht zu klein und der Aufwand doch zu groß. Einem Freund von mir, der mir Platz auf seinem vServer anbot, wollte ich auch nicht zur Last fallen. Uberspace bietet einen Shell-Zugang und viele andere schöne Dinge, die ich gerne nutzen wollte, und die sich auch bei kleinen Webseiten/Blogs wie dem hier lohnen. Im Rahmen dieses Serverumzugs habe ich dann auch (endlich) die Transition des Blogs auf die Domain offenenetze.de vollzogen (die insgesamt erstaunlich reibungslos funktionierte). Die Zahlen in Piwik habe ich mir diesbezüglich nicht genau angesehen, aber ich glaube, ich habe weniger Leser verloren, als ich gedacht hatte.

7. (Keine) Werbung und Einnahmen

Wenn man von Hinweisen auf meine Artikel und der Bestellmöglichkeit des Buchs absieht, ist die Seite von Anfang an „werbefrei“ gewesen und geblieben. Auch aus der Bestellmöglichkeit des Buchs ziehe ich im Übrigen keinerlei monetären Vorteil.

VG Wort-Zählpixel setze ich wegen des großen Aufwands und datenschutzrechtlicher Unsicherheiten nicht ein. 2010 habe ich mich intensiver mit dem Modell „Flattr“ beschäftigt (dazu hier), und habe mich dann dagegen entschieden. Es war und ist mir wichtig, eine nicht-kommerzielle Seite zu betreiben und entsprechende Unsicherheiten zu vermeiden.

8. Rechte

Eines der Themen, die mich und auch das Blog „schon immer“ umtreiben, sind offene Lizenzen. Die Blogeinträge stehen daher – mit Ausnahme von anders gekennzeichneten Inhalten – nun schon seit längerer Zeit unter einer CC BY-SA-Lizenz. Dabei ist nach meiner Erinnerung die von mir im Blog gewählte Lizenz immer „offener“ geworden. Den Schritt hin zu einer CC BY-Lizenz habe ich (noch) nicht vollzogen. Das hat den Vorteil, dass ich im Blog selbst unproblematisch auch CC-BY-SA-Inhalte nutzen kann. Ansonsten stehen einer weiteren Öffnung aber eigentlich keine ernsthaften Einwände entgegen. Wir werden sehen …

9. Ein paar Zahlen

Das Blog besteht aus 6 Seiten.

Es gibt mittlerweile 310 veröffentlichte Beiträge.

Insgesamt sind ca. 450 Kommentare verzeichnet, wovon ein größerer Teil Querverweise zwischen den Beiträgen selbst sein dürften. Hier ist also noch Steigerungspotential.

Seit 2009 sind ca. 1,5 Millionen Visits verzeichnet.

10. Zwischenfazit

6 Jahre sind es nun schon. Mir hat es immer Spaß gemacht, wahrscheinlich auch, weil kein Zwang dazu besteht. Das Blog hat mir einige Kontakte und viel Kommunikation gebracht. Sicher ist es weder ein allzu bekanntes, noch allzu einflussreiches Blog, aber das ist und war ja auch nicht die Hauptintention. Dafür sind meine Themen vermutlich auch größtenteils zu stark „Nischenthemen“.

Es bleibt mir nach alledem nur, an alle regelmäßigen und unregelmäßigen Leser ein großes „Dankeschön“ zu richten und auf weitere gute Jahre zu hoffen …

(Bild: digital catCC BY 2.0)

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